H.Bohaboj - Predigt - 6.7.2014

Alles wirkliche Leben ist Begegnung, meint Martin Buber. Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen, sagt Pfarrer Anton Kner. Und Mutter Teresa wünscht: Achte darauf, dass jeder, dem du begegnest, nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.

Das gilt für die Begegnung von Menschen, das gilt für die Begegnung mit Gottes Schöpfung, erst recht für die Begegnung mit dem Heiligen, mit Gott. Am Beginn der heiligen Messe, wäre dieser Gedanke durchaus eine Anregung für unsere Gewissenserforschung….

 

„Unser Lobpreis kann zwar deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil“ beten wir in einer Präfation. Denn Gott ist vollkommen. Wir können Ihm zu seiner Vollkommenheit nichts hinzufügen. Aber für den Menschen, der Er uns als unseren Nächsten sendet, kann das schon heißen: Hat ihn die Begegnung mit mir glücklicher oder froher oder besser gemacht? Konnte ich ihm helfen, Gottes Plan in seinem Leben besser zu verstehen? Oder habe ich ihn ratlos oder gar verärgert zurück gelassen?

 

In einem Heft wird uns die Geschichte des Gnadenortes Quinau berichtet. Sie erzählt uns davon, wie von den kleinen Anfängen bis zu heutigen Tag, trotz Verbote, aber auch bei großen Festen die gläubigen Menschen immer wieder die Begegnung mit diesem Gnadenort gesucht haben. Wunderbar, dass das Evangelium von den beiden Frauen berichtet, die – von Heiligen Geist erfüllt – bei ihrer Begegnung das Wunder Gottes preisen, das sich an ihnen vollzogen hat. Damit dies möglich wurde, musste Marie sich aufmachen und den weiten Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth zurücklegen. Sie hat sich in Bewegung gesetzt. Dann damals wie heute gilt: Wer sitzen bleibt u sich nicht bewegt, der wird auch nichts bewegen. Das ist bei der Begegnung im kleinen Kreis nicht anders als unter den Völkern. Die Hl Schrift berichtet auch, dass Gott das Entscheidende bereits vorher getan hat: Denn Er hat durch seinen Boten Gabriel dem Zacharias die gute Nachricht gesandt, dass Elisabeth noch in ihrem Alter einem Kind das Leben schenken wird; Er hat Gabriel auch zu Maria gesandt mit der Botschaft, dass sie Mutter des Erlösers, Mutter Gottes werden soll. Auf beide Botschaften hat G eine Antwort erwartet. Zacharias kann dieses Wunder nicht glauben. Er wird bis zur Geburt seines Sohnes Johannes stumm bleiben. Maria dagegen gibt ihr Ja zu dem Plan Gottes: Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort…“

 

Mich bewegt die Geschichte der Wallfahrtsorte im böhmischen. Erzgebirge. Die meisten waren nach Kriegsende, nach der Vertreibung der Deutschen und der Herrschaft der Kommunisten in einem hohen Grad vernachlässigt oder zerstört. Gläubige Menschen wurden in dieser Zeit belächelt und benachteiligt. Wenn Bausubstanz einer Kirche gerettet werden sollte, musste das meist heimlich geschehen. Das war in Quinau nicht anders. Und trotzdem blieb in den Herzen vieler Christen die Sehnsucht nach der Begegnung mit dem Heiligen an den Gnadenorten, blieb bei vielen Vertriebenen die Sehnsucht nach den seit Kindheit vertrauten Kirchen... Die Sehnsucht nach Begegnung mit den neuen Bewohnern hielt sich eher in Grenzen. Das lag an vielen bitteren Erfahrungen der Vergangenheit und an den gut bewachten Landesgrenzen. Vor 25 Jahren haben wir etwas erleben dürfen, was im Glauben des Gottesvolkes immer gewusst wurde. Das Magnifikat der Gottesmutter spricht es aus: Mächtige hat Er vom Thron gestürzt, Niedriger aber erhoben! In einer friedlichen, einer samtenen Revolution in unseren beiden Ländern. Auf beiden Seiten der Grenze haben Christen dieses Wunder dankbar erleben dürfen. Seit 10 Jahren sind unsere beiden Länder Nachbarn im vereinten Europa zu Hause. Kulturell, wirtschaftlich gibt es viele Kontakte. Ich habe den Eindruck, dass „Die Kinder dieser Welt“ die Chancen, die sich bieten, oft besser u schneller nutzen als wir Christen, die wir im gemeinsamen Glauben verbunden sind und uns mit Recht Schwestern und Brüder nennen dürfen.

 

Bei der Eröffnung der tschechisch-deutschen Kulturwoche im Nov. 2013 in Dresden war der Saal gut gefüllt. Außer unserem Alt-Bischof Joachim Reinelt habe ich an diesem Abend niemand gekannt. Aber viele der Teilnehmer aus beiden Ländern kannten sich recht gut. Es ist doch schade, wenn wir Christen da so viel länger brauchen. Denn wir haben so viele Gemein-samkeiten! Zwar nicht die Sprache, wohl aber viele Lieder, Gebete, auch unsere Kirchen u Wallfahrtsorte. Sie bieten uns ganz regelmäßig die Möglichkeit: zur Begegnung mit G, aber auch zur Begegnung mit unseren Nachbarn. Eine Erfahrung: mein Urlaub war immer dann reicher und froher und schöner, wenn es zur Begegnung mit Bewohnern aus dem Urlaubsland kam. Wenn das Herz dabei ist, ist die Sprache kein Hindernis. Das gilt überall.

 

Gehen wir – äußerlich, mehr noch innerlich – Schritte aufeinander zu. Suchen wir Wege zu einem gelingenden Miteinander. Maria ist uns dafür ein gutes Vorbild. Sie wird uns mit ihrer mütterlichen Fürsorge begleiten.

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