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Predikt von Karl Brünnler

15.7.2012

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, "Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen"... Die Gottesmutter wird von Elisabeth als die vom Herrn Gesegnete, als die vom Heiligen Geist erfüllte gepriesen. Wie oft haben wir in der Kirche beim Rosenkranz und im privaten Gebet diese Worte nachgesprochen. Die Kirche hat diesen Lobpreis sich zu eigen gemacht, und wir  haben uns ein Leben lang diesem Lobpreis eingefügt.

Vielleicht liegt uns heute die Form des Lobens und des Lobsinges ferner als zu anderen Zeiten in der Kirche. Wenn wir uns Gott zuwenden, geschieht dies meist in der Form der Bitte. Dagegen soll nichts gesagt werden. Der Herr fordert ja selbst: "Bittet, und ihr werdet empfangen!" Und das Gebet, das Er seinen Jüngern und damit auch uns gelehrt hat, das Vaterunser, bestehet aus sieben Bitten. Aber der ausdrückliche Lobpreis gehört wesentlich zur Form des Gebetes. Wenn der geschaffene Mensch zu seinem Schöpfer spricht, darf die dankbare, preisende Zustimmung nicht fehlen. Der Mensch, der das Werk Gottes und seine Gnade bewundern und loben kann, ist in bestimmter Weise auch "richtig". Wer Gottes Werke lobt, ist davor bewahrt, das zu loben und hochzuschätzen, was eigentlich keines Lobes würdig ist.

Es würde beispielsweise nicht zu Verblendung, Verherrlichung und Anwendung von Gewalt kommen, wenn die Menschen die Seligpreisung der Friedfertigen und der Gewaltlosen ernst nehmen würden. Es wäre nie zu einer derartigen sexuellen Freizügigkeit in unserer Zeit gekommen, wenn die Verehrung Mariens, der Jungfrau und Mutter, nicht weitgehend erloschen wäre. So besitzt das lobpreisende Gebet eine heilbringende Wirkung.

Und es gibt noch eine weitere heilende Wirkung des Lobpreisens. Wer Gott und seine Werke lobt, legt immer weniger Wert darauf, selbst anerkannt, bejaht und gelobt zu werden. Das Verlangen nach Eigenlob und Anerkennung steigerte sich in unserer Gesellschaft bis zur krankhaften Unersättlichkeit. Auch in der Kirche sind wir dagegen nicht immun. In seelsorglichen Handreichungen - besonders in der Jugendseelsorge - findet man oft das schillernde Wort "Selbstverwirklichung". Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, wer von uns kann sagen, was darunter zu verstehen ist? Bin ich etwa selbst nicht da, sondern bin ich als ein anderer neben mir? Existiere ich etwa nur als Geist, als Schatten, als Luft, so dass ich mich erst einmal anstrengen muss, wirklich und leibhaftig da zu sein, mich zu "selbstverwiklichen"? Ist es nicht ein unsinniges Wort, das wir bedenkenlos aus dem Sprachgebrauch der ichsüchtigen Welt übernehmen? Ist "Selbstverwirklichung" nicht das Gegenteil von Nachfolge Christi? Als Christ soll ich nicht mich verwirklichen, sondern Christus soll in mir Wirklichkeit werden!

Im Lobpreis Gottes wird dieses Selbst - und Eigenlob ausser Kraft gesetzt. Der lobende Beter weiss, dass nicht alles wahrhaft gross ist, was derzeit gross gepriesen wird. Er weiss vor allem, was er selbst vor Gott wert ist. Eingedenk der eigenen Schwachheit und Sündhaftigkeit ist es nicht viel. In dieser Hinsicht müssen wir vom hl.Paulus lernen. Er wägt Selbstruhm und Gotteslob gegeneinander ab. Er kommt zu dem Schluss: Wenn sich der Mensch selbst rühmen will und rühmen darf, so soll er sich seiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi in ihm Platz nehmen kann. Der hl. Paulus will damit sagen, dass die Kirche nicht aufgrund unserer natürlichen Talente und Fähigkeiten Bestand hat, sondern durch die Gnade Gottes, die sich das Schwache zum Werkzeug nimmt.

Freilich freuen wir uns, wenn wir sehen, dass es unter uns Naturtalente, Begabungen und angeeignete Fähigkeiten gibt. Wir wissen es  zu schätzen, wenn ein Bischof politischen Scharfsinn hat, wenn ein Priester Jugendliche begeistern kann, wenn ein Pfarrgemeinderatsmitglied finanztechnischen Überblick besitzt, wenn eine Ordensswester gewinnende Liebenswürdigkeit zeigt. Es ist erfreulich, dass es das bei uns gibt. Aber wir sollten wissen, dass die Kirche nicht von Genies und Begabten lebt, sondern von der Gnade Gottes, in der unsere Schwachheit zur Vollendung kommt.

Deshalb wird ein regelmässiges, selbstverständliches und unauffälliges Gebet mehr zum Wachsen des Reiches Gottes beitragen, als ein ausgeklügelter Strukturplan des bischöflichen Amtes. Deshalb verhilft das jahrelang durchgehaltene Leiden eines unheilbar Kranken mehr zur Auferbauung des Reiches Gottes, als das Herumsausen eines Priesters, der seinem Terminkalender gerecht werden will. Der hl. Paulus sagt es unübertroffen: "Das Törichte hat Gott erwählt, um das Weise zu beschämen. Das Schwache hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen, damit es kein Rühmen gäbe."

Im Laufe unseres geistlichen Lebens werden wir freilich erfahren, dass man mit diesen Grundsätzen zu seiner Umwelt und auch zu sich selbst in Widerspruch gerät. Ja, es wird notwendig sein, uns ein Leben lang in die Rechenkunst des hl. Paulus einzuüben: nämlich an allem die Vorzeichen umzudrehen. Vor allem, was andere für bedeutsam und unverzichtbar ansehen, sollten wir ein Minuszeichen setzen. Was in der Welt bedeutungslos erscheint, das ist im Reiche Gottes gerade gefragt. Diese Formel des hl. Apostels wird uns neue Zuversicht geben, auch in dere augenblicklichen leidvollen Lage unserer Kirche. Diese Formel lässt in uns den Lobpreis Gottes und Mariens nicht verstummen, denn "in der Schwachheit kommt die Kraft Gottes zur Vollendung." Amen.

 

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